Aktuelle Mitteilungen des Landesfischereiverbandes MV e.V.

Auf den folgenden Seiten möchten wir Ihnen aktuellste Informationen und Mitteilungen des Landesfischereiverbandes MV e.V. geben, sowie in komprimierter Form aktuelle Hinweise, Hintergrundberichte oder Pressemitteilungen veröffentlichen.



Rat beschließt Fangmengen für die Ostsee

 

– Heringsquote wird um 39 Prozent gekürzt –

 

– Fischer fordern Erweiterung des Nothilfeprogramms –

Die Landwirtschaftsminister der Europäischen Union haben in den heutigen Morgenstunden nach schwierigen Verhandlungen die Gesamtfangmengen für die Ostsee für 2018 beschlossen. Die Einschnitte für die Fischer an der Ostseeküste im nächsten Jahr sind gravierend.

Bereits im letzten Jahr wurde für den Dorsch in der westlichen Ostsee die Gesamtfangmenge Ostsee für 2017 um 56 % gekürzt. Trotz der positiven Bestands­entwicklung soll die Quote nach dem Willen der Agrarminister im nächsten Jahr auf demselben stand wir in diesem Jahr bleiben. 2015 hatte der fast vollständige Ausfall eines kompletten Nachwuchsjahrganges den Bestand in eine schwierige Lage gebracht. Im darauffolgenden Jahr folgte aber ein Rekordnachwuchsjahrgang, so dass der Bestand auf dem Wege der Erholung ist. Treffen die Prognosen der Wissenschaft zu, wird der Bestand 2019 so groß sein, wie nie zuvor seit Beginn der Aufzeichnungen für den westlichen Dorschbestand. Die Nachhaltigkeitsschwelle wird weit überschreiten und die Quote könnte sich ungefähr verdreifachen. Der Bestand war immer gesichert und nicht vorm Aussterben bedroht, wie es Umweltverbände im letzten Jahr vielfach dargestellt hatten. Der Internationale Rat für Meeresforschung (ICES) hatte bei diesem Bestand eine leichte Erhöhung der Fangmenge um 8 % empfohlen.

Beim östlichen Dorschbestand wird die Fangmenge um 8 % abgesenkt. Der ICES hatte hier eine Reduzierung von 35 % empfohlen. Vom ICES wird der Bestand nach wie vor als datenarm geführt. Dort arbeitet man mit Hochdruck daran, den Bestand wieder in eine analytische Bewertung zu überführen. Hier macht man offensichtlich Zugeständnisse an die östlichen Mitgliedsstaaten.

Neben dem Dorsch gehört auch der westliche Hering zu den wichtigen Fischarten für die deutsche Ostseefischerei. Hier werden die Gesamtfangmengen im nächsten Jahr um 39 % abgesenkt. Die Kommission hatte bei diesem Bestand sogar eine Kürzung von 54 % gefordert. Ob es diesem Bestand wirklich so schlecht geht, wie der ICES berechnet, wird von der Fischerei bezweifelt. Die Fänge an der Rügenschen Außenküste in diesem Frühjahr waren gut, nur im Greifswalder Bodden waren wenige Heringe zu fangen. Den Grund hierin sehen die Fischer vor Ort aber eher in den zunehmenden Robbenbeständen und dem Kormoranbrutbestand, der in diesem Jahr einen neuen Höchstwert erzielte.

Auf Unverständnis schlug in der Fischerei der Vorschlag der Kommission, den Aalfang in der Ostsee komplett zu verbieten. Der Ministerrat hat die Entscheidung in diesem Punkt auf einen späteren Zeitpunkt vertagt. Die Kommission hatte das Aalfangverbot in der Ostsee ohne Konsultation mit dem Europäischen Parlament, den Mitgliedsstaaten und den Regionalen Beiräten und den betroffenen Fischern im Alleingang vorgeschlagen. In den Mitgliedsstaaten wurden vor einigen Jahren Aalmanagementpläne installiert, um den Aalbestand wieder aufzubauen. Diesen muss man nun auch die nötige Zeit geben, um Wirkung zu entfalten. Bevor man hier ein Fangverbot für die Ostsee beschließt, sollte die EU lieber den illegalen Export von Glasaalen nach Asien unterbinden.

Die Fischerei muss mindestens noch ein Jahr durchhalten, bis die Bedingungen in der westlichen Ostsee sich wieder verbessern. Ohne ein Nothilfeprogramm wird das nicht möglich sein. Dirk Sander, Vorsitzender des Verbandes der Deutschen Kutter- und Küstenfischerei sagt dazu: „Mit den nun verabschiedeten Gesamtfangmengen können wir nicht leben, werden aber alles daran setzen, das nächste Jahr zu überleben.“ Hierbei ist auch die Politik gefragt. Wichtig ist es, das in diesem Jahr begonnene Nothilfeprogramm für die Dorschfischerei weiterzuführen und auf die Heringsfischerei auszuweiten.

Kontakt: Claus Ubl 0176– 832 10 604; PM Deutscher Fischerei-Verband e. V.; Hamburg, 10.10.2017